Historisches Projekt · 1898
Ein Aufzug.
Ein Stück Wien.
Unser Aussichtsturm mit elektrischem Aufzug von 1898: Ingenieurkunst, die schon vor mehr als 125 Jahren Menschen bewegte.

Im Jahr 1898 realisierten wir für die Wiener Jubiläumsausstellung im Prater ein außergewöhnliches Projekt: einen eisernen Aussichtsturm mit integriertem elektrischem Personenaufzug.
Die Ausstellung fand anlässlich des 50‑jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. statt. Unser Turm verband Eisenbau, Elektrotechnik und Aufzugstechnik zu einer für ihre Zeit bemerkenswerten Konstruktion. Besuchende konnten nicht nur die Aussicht über das Ausstellungsgelände genießen, sondern zugleich eine damals noch junge Form der Personenbeförderung erleben.
Rund 30 Meter Eisenbau mit Aussicht
Der für die Ausstellung errichtete Turm war rund 27,5 Meter hoch und stand auf vier etwa drei Meter tiefen Betonfundamenten. Seine Grundfläche betrug ungefähr 49 Quadratmeter, die gesamte Eisenkonstruktion wog rund 20 Tonnen.
In mittlerer Höhe befand sich eine Galerie, den Abschluss bildete die obere Aussichtsplattform. Zusätzlich zum Aufzug führte eine Treppenanlage durch den Turm. Im unteren Bereich waren die für den Betrieb notwendigen technischen Einrichtungen untergebracht.
Das Herzstück unserer Konstruktion war jedoch der elektrische Personenaufzug.
In 30 Sekunden nach oben
Der Fahrkorb bewegte sich im Zentrum der Eisenkonstruktion zwischen den Treppen. Durch die Verglasung konnten die Fahrgäste bereits während der Fahrt nach draußen blicken.
Bis zu sechs Personen konnten gleichzeitig befördert werden. Die Fahrt zur Aussichtsplattform dauerte nur etwa 30 Sekunden. Eine Fachkraft begleitete die Fahrgäste und bediente den Aufzug direkt aus dem Fahrkorb.
Angetrieben wurde die Anlage von einem Elektromotor mit 8 HP, was heute ungefähr sechs Kilowatt entspricht. Der Motor wurde von Ganz & Co. in Leobersdorf gefertigt.
Mit der Verwendung eines Drehstromantriebs gehörte die Anlage zu den besonders fortschrittlichen Aufzugskonstruktionen ihrer Zeit.
Sicherheit von Anfang an mitgedacht
Schon 1898 war für uns nicht nur entscheidend, Menschen schnell nach oben zu bringen. Die Anlage musste vor allem zuverlässig und sicher funktionieren.
Der Fahrkorb hing an zwei Stahldrahtseilen und wurde an Führungssäulen geführt. Die Türen waren mit automatischen Sicherungen versehen, damit sie nur in der vorgesehenen Position geöffnet werden konnten.
Für den Fall eines Seilbruchs oder eines Verlustes der Seilspannung war eine Fangvorrichtung eingebaut, die den Fahrkorb unmittelbar festhalten sollte.
Hinzu kamen automatische Abschaltungen an den Endpunkten der Fahrt sowie eine zusätzliche zeitabhängige Abschaltung mit Bremse. Bei technischen Unregelmäßigkeiten konnte die Stromzufuhr unterbrochen werden.
Auch ein Stromausfall war berücksichtigt: Im unteren Bereich stand eine Handwinde zur Verfügung, mit der der Fahrkorb mechanisch bewegt werden konnte. Auf der oberen Plattform befand sich außerdem eine weitere Hebevorrichtung, mit der sich der Fahrkorb unabhängig vom elektrischen Antrieb bewegen ließ.
Die Sicherheitseinrichtungen wurden unter realistischen Bedingungen geprüft. Dabei wurde der voll belastete Fahrkorb während der Aufwärtsfahrt von den Tragseilen getrennt. Die Fangvorrichtung musste die Kabine anschließend zuverlässig zum Stillstand bringen.
Technik und Aussicht über Wien
Unser Turm war zugleich technische Demonstration und Attraktion.
Von der oberen Plattform bot sich den Besuchenden ein weiter Blick über die Jubiläumsausstellung, den Prater und Wien. Bei guter Sicht reichte das Panorama bis zu den umliegenden Höhenzügen.
Auch am Abend blieb die Konstruktion ein Blickfang. Der Turm wurde beleuchtet und bot von oben einen eindrucksvollen Blick auf das illuminierte Ausstellungsgelände.
Vom Ausstellungsturm zur Kaiser‑Jubiläums‑Warte
Mit dem Ende der Ausstellung war die Geschichte unseres Turmes noch lange nicht vorbei.
Im selben Jahr war auf der Vogeltennwiese anlässlich des Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. bereits ein hölzerner Aussichtsturm errichtet worden. Diese erste Kaiser‑Jubiläums‑Warte wurde jedoch noch 1898 durch einen Sturm zerstört.
Unser Eisenturm aus dem Prater sollte nach der Ausstellung verkauft werden. Der Ottakringer Verschönerungsverein, der 1875 gegründet worden war, kaufte die Eisenkonstruktion für 35.000 Kronen, um damit den zerstörten Holzturm zu ersetzen.
Der Turm wurde auf der Vogeltennwiese wieder aufgebaut und erhielt dort eine neue Aufgabe. Am 6. Juli 1899 wurde die neue Kaiser‑Jubiläums‑Warte von Bürgermeister Karl Lueger eröffnet.
Der elektrische Aufzug wurde allerdings ausgebaut. Von nun an erreichten die Besuchenden die obere Aussichtsplattform ausschließlich über die Treppen.
Mehr als fünf Jahrzehnte in Wien
Am 2. Dezember 1900 wurde neben dem Turm eine Schutzhütte eröffnet. Gemeinsam entwickelten sich Aussichtsturm und Hütte zu einem beliebten Wiener Ausflugsziel.
Über viele Jahrzehnte blieb unsere Eisenkonstruktion in Verwendung. Erst während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach verschlechterte sich ihr Zustand zunehmend.
1952 wurde der Turm gesperrt. Auch das benachbarte Gasthaus war zu diesem Zeitpunkt bereits außer Betrieb.
Im Jahr 1953 wurden schließlich sowohl die Kaiser‑Jubiläums‑Warte als auch das Gasthaus abgetragen.
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